26.02.2009
Neckarsulm verärgert


Drei Wochen nach dem Verkehrsgipfel in Bad Wimpfen, der auf Drängen der Bürgerinitiativen von Wimpfen und Kirchhausen zustande gekommen war, äußerte sich Joachim Scholz, der neue Bürgermeister von Neckarsulm, dazu. Er war nicht eingeladen, wohl aber die Bürgermeister von Wimpfen und Untereisesheim. Denen schrieb er jetzt einen Brief.
In der Heilbronner Stimme war darüber zu lesen:

Rathaus fühlt sich übergangen

Von Heike Kinkopf

Oberbürgermeister Joachim Scholz macht seinem Ärger Luft. Dass Neckarsulm nicht zum Verkehrsgipfel in Bad Wimpfen eingeladen worden war, stößt ihm sauer auf. "Der Verkehr macht nicht vor der Markungsgrenze Halt", sagt Scholz, "wir sind betroffen, es gebührt der Anstand, uns einzuladen."

Was Anwohner von Ortsdurchfahrten aushalten, vor deren Haustür Tag und Nacht der Schwerlastverkehr rollt, stand im Zentrum des Treffens (wir berichteten). Am runden Tisch saßen Bürgerinitiativen (BI) aus Wimpfen und Kirchhausen, Vertreter des Regierungspräsidiums, der Straßenbaubehörden, Landrat, Bundes- und Landtagsabgeordnete, die Bürgermeister von Bad Wimpfen und Untereisesheim, Claus Brechter und Jens Uwe Bock. "Eine namhafte Veranstaltung", kommentiert Scholz.

Für Neckarsulm war in der Runde kein Platz. "Wenn wir vorhandene Verkehrsprobleme lösen wollen, ist es aus unserer Sicht unabdingbar, ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen anzustreben", schreibt Scholz in einem Brief an Brechter und Bock. Dass Abstimmungsbedarf besteht, ist offensichtlich.

Die effektivste Lösung für geplagte Anwohner sind Ortsumfahrungen. Dies wurde beim Verkehrsgipfel in Bad Wimpfen betont. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die vom Regierungspräsidium Stuttgart favorisierte Umgehung von Untereisesheim und Bad Wimpfen lehnt Neckarsulm seit Jahren kategorisch ab. "Wer ernsthaft diese Variante verfolgen will, muss mit unserem Widerstand, notfalls bis zur letzten Instanz, rechen", kündigt Scholz an. Der OB hält am Kurs der Großen Kreisstadt fest. Sie hatte sich in der Vergangenheit stets vehement gegen die Variante 5 A ausgesprochen. Ihr gibt das Innenministerium Baden-Württemberg den Vorzug. Die Trasse verläuft beim Neckarsulmer Stadtteil Obereisesheim in nordwestlicher Richtung über die Äcker zwischen Unter- und Obereisesheim. Der Abstand zur Bebauung? Viel zu nah, sagen Obereisesheimer und ihr Oberbürgermeister.

"Es kann nicht sein, dass die Probleme von Wimpfen und Untereisesheim auf Kosten von Obereisesheim gelöst werden", skizziert Scholz die Haltung der Stadt. Kommt 5 A, sei der Neckarsulmer Stadtteil von drei Hauptverkehrsadern eingeschlossen: Autobahn, Landesstraße 1100 und Umgehung. Neckarsulm plädiert für eine Umfahrung östlich an Untereisesheim vorbei. Wann welche Variante der Ortsumfahrungen in Angriff genommen wird, ist offen. Es mangelt an finanziellen Mitteln, beim Land stauen sich die Anträge vordringlicher Straßenbauprojekte. Auf den Prüfstand gehören nach Scholz die Kostenschätzungen für beide Trassen. So seien die Ausgaben für Tunnelbauten inzwischen gestiegen. Scholz schlägt vor: Die drei Kommunen setzen sich zusammen und einigen sich auf eine Variante, die sie gemeinsam durchzusetzen versuchen.

Meine persönliche Meinung dazu: Ich nehme an, dass es sich hier zunächst um ein innenpolitisches Thema in Neckarsulm handelt. Der neue Bürgermeister hat wohl bemerkt, dass sein Stadtteil Obereisesheim von ihm ein klares Bekenntnis zum alten und bekannten Standpunkt erwartet. "Westumgehung nur über unsere Leiche!". Im Zusammenhang mit dem Wimpfener Verkehrsgipfel vom 05.02.09 ist die Stellungnahme völlig unnötig. Es kommt einem vor, als würde dem leblos am Boden liegenden Umgehungsstraßen-Projekt noch ein letzter Tritt verpasst. Verhindern hätte Scholz nichts müssen, wenn er denn eingeladen gewesen wäre.

Das Angebot, dass sich Neckarsulm, Untereisesheim und Bad Wimpfen zusammensetzen sollen, um sich auf eine Variante zu einigen, kann nur als scheinheilig bezeichnet werden, bei dem bekannten Neckarsulmer Standpunkt: "Nehmt die Ostumgehung oder nichts!"