30.05.2005


Stellungnahme zur Planungsänderung

Am Montag, 30. Mai befasste sich der Gemeinderat von Untereisesheim mit der jüngsten Änderung zum Verlauf der geplanten Umgehungsstraße. Der Wimpfener Gemeinderat hatte Bedenken dagegen geäußert, die Straße direkt an den vier Höhenhöfen entlang zu führen, woraufhin das planende Amt eine Verschiebung um etwa 350m nach Südosten vornahm. Im Gemeinderat fielen zwar starke Worte, aber dann gab es wieder einmal eine zähneknirschende Zustimmung.

Am 01. Juni schrieb die Heilbronner Stimme dazu:

"Letzte Kröte, die geschluckt wird"

Von Rudolf Landauer

Eine von der Nachbarstadt Bad Wimpfen forcierte Änderung der Querspangenplanung im Zuge der Planung zur Umfahrung von Untereisesheim und Bad Wimpfen, erregt jetzt heftigen Unmut im Untereisesheimer Gemeinderat. In der jüngsten Sitzung des Gremiums äußerten sich etliche Räte emotional zu der Vorgehensweise des Nachbarn.

Überrumpelt fühlt man sich in Untereisesheim, denn mit nur 30 Unterschriften habe man beim Stuttgarter Regierungspräsidium rascher eine Änderung der Planung erreicht, als im Vorfeld der Planungen mit weit über 1000 Unterschriften.

Zur Vorgeschichte: Die Planung sieht vor, dass im Bereich der Wimpfener Gewanne Dornet und Obere Höhe die eigentliche Umgehungsstraße L 1100 mit einer Querspange verknüpft wird und über einen rund 770 Meter langen Tunnel hinunter nach Bad Wimpfen im Tal geführt werden soll. Über die Neckarbrücke wird die B 27 mit der Umgehungsstraße dann verbunden sein. Bei einer Ausbaulänge von insgesamt neun Kilometern ist das Gesamtprojekt auf rund 36 Millionen Euro veranschlagt.

Die erste Planungsvariante dieser Querspange durchschnitt quasi die Höhen Höfe und führte nur knapp an den Höfen vorbei. Die Eigentümer wehrten sich dagegen und hatten Erfolg. Die Bad Wimpfener Bedenken bezogen sich hauptsächlich auf die Zerstückelung des Landschaftsschutzgebietes im Bereich der Höhen Höfe und die Beeinträchtigung der Anwohner. In Bad Wimpfen drängte man daher auf einen anderen Trassenverlauf der Querspange.

In Untereisesheim sieht man die Dinge offenbar anders. Die neue Trasse rücke jetzt wieder deutlich näher an die eigene Markung heran. Die Planer des Straßenbauamtes konstruierten eine neue Trasse. Die lag jetzt dem Untereisesheimer Gremium zur Beratung vor.

Martin Rascher von der FWV-Fraktion ließ Dampf ab: "Wir alle sind erstaunt, sogar erschüttert über die erneute Diskussion und die Reaktionen der Bad Wimpfener Gemeinderäte. Wir sind nicht mehr bereit, weitere Abstriche zu machen. Jetzt ist endgültig Schluss", so Rascher. Auch Gerhard Haag von der SPD-Fraktion war wütend: "Das ist jetzt wirklich das allerletzte Mal, dass wir da noch einmal mitmachen", so Haag, der gleichzeitig bezweifelte, ob es wirklich das letzte Mal sei, dass man den Gemeinderat in dieser Sache einspannen werde. Fraktionskollege Kai Loeprecht setzte noch eins drauf und bezeichnete das Verhalten des Nachbarn als Frechheit und als Vertrauensbruch. "Die haben den Weg der Gemeinsamkeit verlassen und handeln eigenmächtig", fügte der Gemeinderat hinzu.

Auch Bürgermeister Jens Uwe Bock meinte, dass jetzt endgültig Schluss sei: "Wir werden keine weiteren Wünsche mehr mittragen und diskutieren auch nicht mehr darüber. Das ist die letzte Kröte, die geschluckt wird." Bei der Abstimmung stimmte der Gemeinderat den neuen Plänen allerdings zu.


Dekoriert hat Herr Landauer den Artikel mit einem (etwas nachbearbeiteten) Plan von meiner Seite vom 20.05.05, dessen Vorlage im Mitteilungsblatt abgedruckt war. Recht so! Schließlich zitiere ich die Heilbronner Stimme immer ausgiebig, ohne dass von dort je Einwände gekommen wären. Von dieser Stelle einmal ein Dankeschön dafür.

Die Empörung in unserem Gemeinderat ist für mich in keiner Weise nachvollziebar. Der auf nur gut einem Kilometer geänderte Verlauf erscheint vernünftig und ist eigentlich eine "innerwimpfensche" Angelegenheit. Ich sehe nicht, wo Untereisesheimer Interessen tangiert würden.


Zwei Wochen später reagierte der Gemeinderat von Bad Wimpfen verwundert und irritiert auf die starken Worte aus Untereisesheim, wollte den Ball aber flach halten. Und um das angeknackste Verhältnis zwischen den beiden kommunalpolitischen Gremien wieder in Ordnung zu bringen, traf man sich wenig später ungezwungen im Bierzelt auf dem Wimpfener Talmarkt. Eigentlich sitze man ja im selben Boot, wurde festgestellt. Um das handfest zu demonstrieren, wurde beschlossen, gemeinsam ein Floß zu bauen und nächstes Jahr bei der Aktion "Neckar 2000" mitzufahren. Mal gespannt ...