14.02.04


Stellungnahmen Bürgermeisterkandidaten


Am 07. März wird in Untereisesheim ein neuer Bürgermeister gewählt. Die "Eisesheimer Bürgerinitiative" EBI scheint die Hoffnung zu hegen, dass sich die Position der Gemeinde in nächster Zeit noch ändern könnte. Da wäre es natürlich interessant, die Meinung der Kandidaten in dieser Frage zu wissen. Daher habe ich die Herren Rappold, Bock und Tereba (!) angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.





Von H. Bock ging umgehend die folgende Stellungnahme per E-Mail ein. Herzlichen Dank für die schnelle Reaktion!


Ketzin, 18.02.2004

Umgehungsstraße Untereisesheim

Sehr geehrter Herr Michels,

Ihren Brief vom 14.02.2004 zur Frage der Ortsumfahrung in der Gemeinde Untereisesheim habe ich erhalten. Gern bin ich bereit, zu dieser für die Gemeinde bedeutenden Angelegenheit als Bürgermeisterkandidat Stellung zu nehmen.

Bei einem ersten Besuch in Untereisesheim Anfang Februar konnte ich nach Gesprächen mit Gemeinderäten und einer ersten Besichtigung des Ortes und seiner Umgebung schon einige Eindrücke zum Problem der Ortsumfahrung sammeln. Auch habe ich die Pressestimmen von Ende Januar in der "Heilbronner Stimme" zu den Ergebnisses des Gutachtens des Regierungspräsidiums Stuttgart verfolgt.

In meiner früheren Tätigkeit als Bauamtsleiter hatte ich u. a. auch schon mit der Frage einer Ortsumfahrung zu tun.

Nun zur Problematik selbst: Nach den bisher vorliegenden Untersuchungsergebnissen wird eine Lösung in 2 Teilabschnitten angestrebt (zunächst Westumgehung - Variante 5 a - und eine Querspange mit neckarseitiger Anbindung an die B 27). Eine Ostumgehung - wie aus Teilen Obereisesheims gefordert - wird aus naturschutzrechtlichen und wasserbaulichen Gründen (Überflutungsraum des Neckars/ Auenlandschaft) seitens des Regierungspräsidiums nicht favorisiert.

Vor Ort habe ich mir beide Varianten für den Raum Untereisesheim grob angesehen. Entlang des Neckars (zwischen Untereisesheim und altem Neckar) ist schon eine Trasse aus Sicht des Landschaftsbildes und aus technischen Gründen (Gründung, Bau einer Hochstraße auf Stelzen) ein erheblicher Eingriff. Auch unter Beachtung der erhöhten Baukosten und der naturschutzrechtlichen Probleme dürfte diese Variante aus sachlicher Sicht und entsprechender Güteabwägung nicht erfolgversprechend sein.

Die jetzt bevorzugte Variante kann sicher auch nur ein Kompromiss sein; für Untereisesheim im Gesamtpaket gesehen, aber noch die akzeptabelste Lösung - unter Würdigung aller Umstände. Hier heißt es für mich eine klare Position für Untereisesheim zu beziehen.

Angesichts der Finanzlage des Landes Baden-Württemberg würde ein weiteres Hin und Her dazu führen, dass die knappen Finanzmittel dann anderen Vorhaben zu gute käme. Eine Umgehungslösung für Untereisesheim wäre dann ein Vorhaben für den "Sankt - Nimmerleinstag". Für eine geordnete Entwicklung der Gemeinde Untereisesheim sicher keine Perspektive.

Vielmehr kommt es aus meiner Sicht darauf an, die jetzt mögliche Variante voranzutreiben und bei Details (z. B. Durchgänge am westlichen Ortsrand mittels kreuzungsfreier Übergänge/ Tunnel u. ä., vernünftige Schallschutzmaßnahmen am Knotenpunkt der Einbindung der Umgehung zwischen Unter- und Obereisesheim, Schallschutzwand, Begrünung und aktive Schallschutzmaßnahmen an Gebäuden im Schallbelastungsbereich) zur Minimierung der Belastung zu verhandeln.

Einen wichtigen Aspekt sollte man bei der langfristigen Planung einer Ortsentwicklung auch nicht vergessen: Neben Risiken und Eingriffen bietet die Ortsumgehung auch die Chance, bei Realisierung den Ortskern entlang der jetzigen L 1100 städtebaulich aufzuwerten und mit entsprechender Neugestaltung der bisherigen Ortsdurchfahrt mehr Lebensqualität in den Ort zu holen. Ich meine: auch dies sollte man bei der Diskussion vor Ort bedenken.

Also zusammengefasst: Die jetzt vorgestellte Variante (Westumfahrung/ Variante 5 a) und in einem weiteren Schritt die Querspange halte ich trotz sicher auch hier nicht wegzudiskutierender Unzulänglichkeiten für die Weiterentwicklung der Gemeinde Untereisesheim - nur hierfür kann ich als Bürgermeisterkandidat sprechen - für die insgesamt vertretbarste Lösung - sinnvolle Nachbesserungen bei Bedarf natürlich eingeschlossen. Dies gilt natürlich selbstredend auch für eine Zeit nach der Wahl.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Uwe Bock






Am Wochenende fand auch H. Rappold dankenswerter Weise Zeit, eine ausführliche Stellungnahme zu schreiben:


Kirchhausen, 22. Februar 2004

Umgehungsstraße Untereisesheim

Sehr geehrter Herr Michels,

das Schreiben vom 14. Februar 2004 habe ich erhalten. Vielen Dank hierfür. Gerne beantworte ich Ihre Fragen, die Sie an mich gerichtet haben.

Schon sehr früh habe ich mich zum Thema Umgehungsstraße geäußert und habe unter anderem bei meiner ersten öffentlichen Veranstaltung vom 6. Februar 2004 im Sportheim des TSV sehr ausgiebig mit den vielen anwesenden Zuhörern das Thema erörtert und diskutiert. Mein Standpunkt wurde hierbei von mir klar vertreten und vermittelt.

Das Regierungspräsidum hatte am 27. Januar 2004 im Rahmen einer Präsentation die Vertreter der Städte Neckarsulm, Bad Wimpfen, der Gemeinde Untereisesheim und der anderen Verfahrensbeteiligten über die Ergebnise der Untersuchung des Büros Bender & Stahl aus erster Hand informiert.

Vor ziemlich genau vier Wochen berichtete die Heilbronner Stimme über die ersten Ergebnisse. Grundlage war eine Pressemitteilung des Regierungspräsidums.

Kurze Zeit später folgte dann ein Artikel, in dem zahlreiche Neckarsulmer Bedenken laut wurden. Eine große Verunsicherung war und ist die Folge.

Das Thema Umgehungsstraße bewegt die Menschen hier in Untereisesheim schon seit vielen Jahren. Der Auslöser ist eigentlich immer die Belastung des Ortskerns, die so nicht mehr ertragbar ist.

Nicht nur die Belastung der Luft, oder durch Lärm und Staub sind nicht mehr hinnehmbar, sondern auch scheinbar alltägliche Dinge wie das Überqueren einer Straße wird zu einer ständigen Herausforderung. Insbesondere Kinder und Ältere sind hiervon betroffen, ja sogar gefährdet.

In Untereisesheim fahren derzeit über 16.000 Fahrzeuge täglich auf der Hauptstraße. Hiervon sind über 1.000 Lkws.

Jeder der es schon einmal erlebt hat wie es ist, wenn ein 40 Tonner mit 50 und mehr Stundenkilometern im Abstand weniger Zentimeter an einem vorbeifährt wird verstehen, wenn ich sage, so etwas ist auf Dauer nicht zu ertragen.

Laut kurzfristiger Zukunftsprognose soll schon in zehn oder elf Jahren der Verkehr im Bereich der Pkw um ein weiteres Viertel, im Bereich der Lkws um sogar ein volles Drittel zugenommen haben.

Es ist aber auch durchaus realistisch anzunehmen, dass diese Prognosezahlen durch die tatsächliche Entwicklung im negativen Sinne überholt wird. Ohne weiteres ist es also möglich, dass 2015 über 20.000 Fahrzeuge täglich durch Untereisesheim fahren werden.

Deshalb muß unter allen Umständen eine Umgehungsstraße her!

Ich lege Wert auf zwei Feststellungen in diesem Zusammenhang:

Erstens: Die schlechteste Lösung wäre es, wenn Bad Wimpfen eine Umgehungsstraße bekäme, Untereisesheim aber nicht. Denn dann käme eine Lösung für die Verkehrsproblem in Untereisesheim frühestens am Sankt Nimmerleinstag.

Zweitens: Das Land Baden-Württemberg ist Bauherr der Umgehungsstraße und bezahlt diese somit auch. Der Einfluß von Untereisesheim muß sich daher auf die Berücksichtigung der berechtigten Interessen von Untereisesheim konzentrieren.

Die Frage, ob eine Umgehungsstraße im Osten - entlang des Neckars - oder im Westen - mit einer Trasse zwischen Ober- und Untereisesheim - verläuft, ist zunächst nicht die entscheidende. Denn beide Trassenvarianten haben ihre Vorteile, aber auch gravierende Nachteile.

Das Regierungspräsidum hat in seiner Untersuchung 18 verschiedene Varianten untersuchen lassen. Hierbei wurde vor allem auf drei Faktoren geachtet.

Erstens, die Höhe der zu erzielenden Verkehrsentlastung
Zweitens, die Höhe der Baukosten
   und
Drittens, die Umweltverträglichkeit der einzelnen Varianten.

Als Ergebnis dieser Untersuchungen präsentierte das Regierungspräsidum eine ortsferne Westumfahrung als die wahrscheinlichste und verträglichste Variante.

Eine Lösung im Osten ist hierdurch bisher aus Sicht von Untereisesheim nicht ausgeschlossen, soweit das weitere Verfahren eine für Untereisesheim verträgliche Lösung hervorbringt.

Dies alles muß aber in Untereisesheim sozusagen auf den Prüfstand!

In einer Bürgerinformation Ende März oder im April sollen die Ergebnisse der Untersuchungen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis dahin werden auch die ausformulierte ökologische Stellungnahme und weitere ausstehende Punkte vorliegen. Dann wird es jedem möglich sein, sich ein Bild aus erster Hand zu machen. Die Diskussion kann sachlich weiter geführt und zu einem guten Ende gebracht werden.

Untereisesheim hat bereits in der Vergangenheit die Entwicklungen in diesem Bereich aktiv und im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger begleitet und wird dieses auch weiterhin tun.

Schließlich ist dies gelebte Bürgernähe und im Falle der Wahl Chefsache.

Mit freundlichen Grüßen
Theo Rappold






H. Bock tendiert pragmatisch zur Westumgehung. Eine alte Lebensweisheit sagt halt, dass der Spatz in der Hand besser ist als die Taube auf dem Dach. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das in diesem Fall nicht gefällt.

H. Rappold ist da wesentlich zurückhaltender; ich hatte es bei diesem heißen Eisen nicht anders erwartet. Seine Stellungnahme hier entspricht wortwörtlich einem Teil seines Vortrags auf der Kandidaten-Vorstellung am 26. Februar. In einem kann ich ihm - wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe - aber zustimmen: Lieber eine Ostumgehung als gar keine Umgehungsstraße!

Von Herrn Tereba habe ich nicht wirklich eine Antwort erwartet, und sie ist auch nicht gekommen.