05.12.02


Hier jetzt noch der Bericht über das Neckarsulmer Gegengutachten, wie er auf der Neckarsulmer Stadthomepage und in der HSt-Beilage "Neckarsulmer Stimme" zu lesen war. Die Stellungnahme von H. Bechtle dazu (siehe weiter unten) trifft den Nagel auf den Kopf.


Stadt Neckarsulm wehrt sich mit Nachdruck gegen geplante Südwest-Umfahrung von Untereisesheim

Gegen die vom Regierungspräsidium favorisierte Variante A zur Ortsumgehung von Bad Wimpfen auf Kosten des Landschaftsraums zwischen Ober- und Untereisesheim sprechen sich die Stuttgarter Architekten und Stadtplaner Wick und Partner aus. In einem von der Stadt Neckarsulm in Auftrag gegebenen Gutachten kritisieren die Experten die raumordnerische Bewertung der Trassenführung durch das Regierungspräsidium. Die Behörde befürwortet eine Südwest- Umfahrung von Untereisesheim, um die Kurstadt Bad Wimpfen und den Untereisesheimer Ortskern vom Verkehr zu entlasten.

Die Gutachter Professor Dr. Ing. Roland Wick und Dipl.-Ing. Karl Haag erläuterten die wichtigsten Ergebnisse ihrer 50- seitigen Studie jetzt im Gemeinderat. An der öffentlichen Sitzung im Neckarsulmer Rathaus nahmen viele betroffene Bürger aus Ober- und Untereisesheim teil. Das Gutachten ist auch Thema in einer öffentlichen Informationsveranstaltung mit Professor Wick am 22. Januar 2003, 19.30 Uhr, in der Festhalle Obereisesheim.

„Wir werden uns weiterhin mit allem Nachdruck gegen die Realisierung der Variante A wehren“, bekräftigte Oberbürgermeister Volker Blust. Bürgermeister Klaus Grabbe versicherte, dass die Stadt eine einvernehmliche Lösung mit den Nachbarkommunen anstrebe. „Wir suchen nach einer ausgewogenen Lösung, die Vorteile für alle schafft.“

Größtmögliche Nachteile für Obereisesheim schafft dem Gutachten zufolge die Variante A, die in der raumordnerischen Bewertung als direkte Verbindung zwischen der L 530 westlich Bad Wimpfen am Berg und dem Autobahnanschluss Heilbronn-Untereisesheim favorisiert wird. Eine solche Trassenführung würde den freien Erholungsraum zwischen Ober- und Untereisesheim diagonal durchschneiden und damit besonders wertvollen Landschaftsraum „größtmöglich“ zerstören, stellen die Gutachter fest. Obereisesheim wäre an drei Seiten von überörtlichen Verkehrswegen eingeschlossen und durch Lärm und Abgase belastet. „Den berechtigten Entwicklungsansprüchen von Obereisesheim als Teil des Mittelzentrums Neckarsulm wird zu wenig Gewicht beigemessen“, kritisiert das Gutachten. Die Favorisierung der Variante A verteile die Lasten einseitig auf den Stadtteil Obereisesheim und die Gemeinde Untereisesheim. „Dies geschieht mit potenzierender Wirkung auf zukünftige Generationen.“ Gerade vor dem Hintergrund anhaltender Flächeninanspruchnahme fordere die kommunale Entwicklungsplanung, ungestörte Freiräume zu erhalten und ökologisch wertvolle Lebens- und Erholungsräume für die Bevölkerung zu sichern. Dies ergebe sich auch aus dem aktuellen Landesentwicklungsplan 2002, der bei der raumordnerischen Abstimmung gar nicht berücksichtigt worden sei. In dieser Plangrundlage werde Bad Wimpfen dem Verdichtungsraum neu zugeordnet, so dass der Bedarf an Erholungs- und Freiräumen für die Bereiche zwischen Neckarsulm und Bad Wimpfen zunehme.

Unzerschnittener Landschaftsraum zwischen Ober- und Untereisesheim besonders bedeutsam

Einen besonders wichtigen Freiraum erkennen die Gutachter in der Landschaftsfuge zwischen Ober- und Untereisesheim. Qualitativ beinhalte dieser Raum alle Chancen für eine gute Weiterentwicklung der beiden Ortschaften. „Gerade in der Einlagerung von kulturellen und freizeitorientierten Nutzungen wird deutlich, welche Bedeutung der Bereich der Grünzäsur für das Leben in den beiden Gemeinden hat“, so das Gutachten.

Auch quantitativ sei dieser unzerschnittene Landschaftsraum, gemessen in seiner sogenannten „effektiven Maschenweite“, überaus bedeutsam. Nach Berechnungen der Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden-Württemberg beträgt die durchschnittliche Maschenweite im Land 13,99 Quadratkilometer und im Landkreis Heilbronn 6,89 Quadratkilometer. Der Freiraum zwischen Obereisesheim, Untereisesheim und Bad Wimpfen umfasst laut Gutachten eine Größe von 13,5 Quadratkilometern und entspricht damit der Maschenweite im Landesdurchschnitt und zweifach dem Durchschnitt des Landkreises Heilbronn. Daraus leiten die Gutachter bestimmte Anforderungen an die Planung einer möglichen Umgehungsstraße ab. Planungsziel müsse es sein, eine raumgreifende Trasse möglichst nah an den Rand des Landschaftsraums zu legen und mit vorhandenen Infrastrukturtrassen im Bereich des Neckartals zu koppeln. Außerdem müsse eine solche Trasse mit Hilfe technischer Maßnahmen möglichst optimal in die Landschaft eingebunden werden, auch wenn dies zu Mehrkosten führe.

Dementsprechend sieht das Gutachten in einer optimierten Ostumfahrung von Untereisesheim die beste Möglichkeit, den vorhandenen Landschaftsraum so weit wie möglich zu erhalten und gleichzeitig vorhandene Straßentrassen nach dem Motto „Ausbau vor Neubau“ zu bündeln. Empfohlen wird eine unmittelbar in die Hangkante baulich zu integrierende Trassenführung mit Tunnellösung (Variante F). Eine solche Lösung schone die Landschaft und verringere die Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur von Untereisesheim. Daher empfehlen die Gutachter die optimierte Trassenvariante F zur Ostumfahrung von Untereisesheim. Mit den betroffenen Gemeinden und den Trägern öffentlicher Belange soll diese Trasse nun diskutiert und möglichst gemeinsam weiterverfolgt werden. (snp)


Am 13.12.02 kommentierte H. Bechtle das Gutachten in Form eines Leserbriefs in der Heilbronner Stimme. H. Bechtle wohnt in der Unteren Halde in Untereisesheim. Außerdem meldete sich am 14. mit H. Schiller erstmals eine Stimme aus Bad Wimpfen. Und wie nicht anders zu erwarten, war am 20.12. eine Entgegnung aus den Reihen der EBI zu lesen.

 
"A" besser als "F"

Zum Thema "Ortsumgehung Untereisesheim"

Die Verwaltung, der Gemeinderat und die Bürger von Untereisesheim haben sich sehr lange, sehr intensiv und sehr sachlich mit dem Thema Umgehungsstraße und den ursprünglichen fünf Varianten auseinander gesetzt, von denen letztendlich zwei, die Variante A + C, als mögliche Alternativen zu bewerten waren.

Wie das Gutachten der Stadt Neckarsulm nun eindeutig zeigt, ist die Variante C für Untereisesheim nicht zumutbar und zu Recht abgelehnt worden. So gesehen war die Zustimmung zur Variante A die richtige Entscheidung.

Was nun das einhellige Lob des Gemeinderates, der Stadt Neckarsulm und der Zuhörer zur neuen Variante "F" des Büros Wick + Partner aus Stuttgart betrifft, war dieses nach dem Sankt-Florians-Prinzip entstanden. Überzeugende Sachargumente gegen die Variante A sind dem Bericht nicht zu entnehmen, wie auch die zu erwartenden Kosten für den Trassenvorschlag nicht genannt worden sind. Deshalb wird die Variante A bis zum Beweis des Gegenteils die insgesamt beste Umgehungsvariante für Untereisesheim und Bad Wimpfen bleiben.

Fritz Bechtle, Heilbronn


Landschaft retten

Zum Thema "Umgehung Untereisesheim"

Ich gratuliere Neckarsulm und Untereisesheim für die Befürwortung der Trasse "F". Nach dem St.-Florians-Prinzip "Verschon mein Haus, zünd andere an" wurde hier vorgegangen, verläuft doch die Umgehung an Ober- und Untereisesheim vorbei, um dann voll über die Wimpfener Gemarkung zu gehen. Da wird nur minderwertiges Landschaftsschutzgebiet durchbohrt und schlechtes Ackerland vernichtet. Obwohl das Landratsamt bisher sehr darauf geachtet hat, dass der Landschaftsschutz eingehalten wird. Mein Vorschlag: Geht schon am Neckar in den Berg und kommt so nah es geht an der Heilbronner Straße wieder raus. Die Landschaft würde sich nicht verändern, die L 1100 mit ihren Zu- und Abfahrten könnte bleiben und die vielen Einsprüche der Betroffenen würden ausbleiben. Das kostet sicher mehr, aber, Landschaft vernichten kann nicht die einfachste und billigste Lösung sein.

Volker Schiller, Bad Wimpfen


Armer St. Florian

Zum Thema Umgehung von Untereisesheim / Bad Wimpfen

Wiederholt musste der Schutzpatron der Feuerwehr nun schon zum Thema Umgehungsstraße herhalten. Bemerkenswert ist, dass gerade jene das "St. Floriansprinzip: verschon mein Haus, zünd' andere an" lauthals zitieren, welche selbst die Brandstifter sind! Wer möchte denn hier seine Umfahrung auf "des Nachbarn Kosten" bauen?

Neckarsulm hat bereits vor zehn Jahren das Problem für seinen Stadtteil Obereisesheim mit der Ostumfahrung im Neckartal auf eigener Gemarkung gelöst, und dies ganz im Sinne der seit 30 Jahren bestehenden Regionalplanung.

Das nun vorliegende Gutachten des renommierten Stuttgarter Planungsbüros Wick + Partner zeigt deutlich auf, dass der Aufschrei der Bevölkerung gegen die Süd-West-Umfahrung quer durch die Eises- heimer Flur durchaus berechtigt und die raumordnerische Bewertung der Trassen A, B, C äußerst fragwürdig, unausgewogen und widersprüchlich ist. Sollte auf der Basis dieser Erkenntnisse das Planfeststellungsverfahren für die Trasse A noch eröffnet werden, kann man nicht mehr vom guten Willen der Verantwortlichen ausgehen!

Dass es eine Lösung nur im Einklang der drei tangierten Gemeinden geben kann, versteht sich von selbst. Bad Wimpfen und Untereisesheim fordern den Bau dieser Straße und zögen ihre Vorteile aus der Entlastungswirkung, sollten dann aber auch deren Hauptlast tragen. Natur und Umwelt gehen ohnehin bei allen Varianten als Verlierer aus dem Spiel, da ist die neue Variante "F" bestenfalls ein vertretbarer Kompromiss.

Jürgen Röger, Neckarsulm-Obereisesheim