12.08.02



[Beschriftung und gelbe Markungsgrenzen von mir]


Heute fand sich ein Flugblatt im Briefkasten, mit dem der Bürgermeister wohl zur Versachlichung der Diskussion beitragen möchte:


Gemeinde Untereisesheim


Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben.
André Gide, frz. Schriftsteller
Allen Fortschritt verdanken wir den Unzufriedenen. Zufriedene lieben keine Veränderung.
Salvatore Quasimodo, ital. Lyriker, Kritiker u. Übersetzer
Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.
Chinesisches Sprichwort


AN AUSGEWÄHLTE HAUSHALTE IN UNTEREISESHEIM

August 2002

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

diese Zitate charakterisieren die neu entfachte Diskussion über die Neutrassierung der L 1100 in unserem Bereich und könnten auch Leitmotiv sein. Der stark wachsende Verkehr und die Frage der Entlastung unserer Ortsdurchfahrt bewegen die Gemüter. Forderungen werden gestellt und Diskussionen geführt mit den unterschiedlichsten Vorzeichen.

Dankbar sind wir in jedem Fall für alle konstruktiv-kritischen Beiträge, die in der Vergangenheit die Meinungsbildung prägten oder die sich beim weiteren Verfahren des Landes, als Träger der Maßnahme, niederschlagen werden. Allerdings müssen wir akzeptieren, dass es nie eine Lösung geben wird, die alle Beteiligten ganz zufriedenstellen wird und dass eine neue Straße Landverbrauch bedeutet. Dabei wird es immer mehr oder weniger Betroffene und Begünstigte geben. Wichtig ist, dass bei der gesicherten Annahme, dass der Verkehr auch in den nächsten 10 Jahren weiter stark zunimmt, eine schnelle und abschließende Lösung des Problems mit Entlastung unserer Ortsdurchfahrt herbeigeführt wird.

Vieles hat sich seit den ersten Überlegungen, die schon mehr als 30 Jahre zurückgehen, verändert. Die außerordentliche Zunahme des Verkehrs liegt nicht nur an der Erhöhung des Motorisierungsgrades, sondern an der für Baden-Württemberg beispiellos glänzenden Entwicklung dieses Raumes im gewerblichen und wohnbaulichen Bereich und den gegebenen weiteren Entwicklungschancen. Aber es haben sich auch die Werte im Blick auf Umwelt und Natur verschoben. Es gibt eine Leitbildentwicklung für die Neckaraue von Neckarsulm bis Haßmersheim und die von der Regionalplanung und der Raumplanung des Landes festgelegte Grünzäsur zwischen Ober- und Untereisesheim, die auch in Neckarsulm nie grundsätzlich in Frage gestellt wurde und die ein Zusammenwachsen von Ober- und Untereisesheim ausschließt.

Richtig ist, dass für uns von Anfang an und ohne nochmalige Überlegungen bis vor ca. 4 Jahren eine mögliche Umgehung immer nur im Osten denkbar war. Erst im Zuge der weitergehenden Überprüfungen des Landes sowie der Machbarkeitsstudie und der Umweltverträglichkeitsprüfung kamen weitere Trassenvarianten hinzu. Das Land wollte unsere Forderungen im Osten aus Kostengründen nicht erfüllen und machte wiederholt auch in einer Bürgerversammlung in Untereisesheim durch Vertreter des Straßenbauamts und in Gesprächen beim Regierungspräsidium deutlich, dass nur die Westumgehung in Frage komme. Daraufhin hatten wir die verschiedenen Varianten einschließlich "Status Quo" mit den Bürgern in Arbeitskreisen öffentlich diskutiert, deren Ergebnisse in die Beratungen des Gemeinderats einflossen. Dem Gemeinderat war dabei bewusst, dass, sollte sich die Gemeinde gegen die Westumgehung aussprechen, die Gefahr besteht, dass der jetzige "Status Quo" auf "Sankt-Nimmerleins-Tag" zementiert wird. Deshalb hat der Gemeinderat als kleinsten gemeinsamen Nenner im Sinne eines "Aufeinander-Zugehens" und Kompromisses letztendlich einer modifizierten ortsfernen Trasse im Südwesten zugestimmt, um der Entlastung der Ortsdurchfahrt in überschaubarem Zeitraum überhaupt eine Chance zu geben.

Der Gemeinderat hat immer deutlich gemacht, dass dadurch die Tür für eine Lösung im Osten nicht verschlossen ist, sofern das weitere Verfahren eine für Untereisesheim verträgliche und zumutbare Lösung hervorbringt, die auf den Prinzipien unseres demokratischen Rechtsstaates basiert.

Die umseitige (obige) Fotomontage, die keinen Anspruch auf absolute Maßstäblichkeit erhebt, soll als Orientierungshilfe der wieder zur Diskussion stehenden Trassen dienen. Zum anderen kann jeder von uns sein eigenes Verhalten überprüfen, denn wir alle sind es mit, die den wachsenden Verkehr erzeugen. Oft ist es nur Bequemlichkeit, vor allem innerhalb unserer Gemeinde. Der Anteil des Binnenverkehrs am Gesamtverkehr der Ortsdurchfahrt ist sehr ausgeprägt. Wäre das nicht ein positiv wirkendes Signal, das uns allen wirklich nützt?

Mit besten Grüßen und Ferienwünschen

K.Weigelt, Bürgermeister